Stolpersteine

Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, heißt es im Talmud. Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem Projekt „Stolpersteine“ an die Verfolgten der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing einlässt. Jeder Stein steht für einen Namen, einen Menschen, ein Schicksal. Wer sich herunterbeugt, um die Namen zu lesen, verbeugt sich gleichsam vor den Opfern.

Im Februar 2022 wurden auch in Linz die ersten 12 Stolpersteine für jüdische Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Im folgenden finden Sie deren Kurzbiographien und Wohnorte. Weitere Steine, auch für Ermordete der sogenannten „Aktion T4“, sollen in den kommenden Jahren folgen. 

Heinrich, Rosalie und Johanna Bermann (Mühlengasse 5)

Heinrich Bermann stammte aus Weißenthurm, seine Frau Rosalie aus Mehring an der Mosel. Ihr einziges Kind, Tochter Johanna, wurde 1902 in Neuwied geboren. Heinrich Bermann, als kaufmännischer Angestellter tätig, war von 1915 bis 1920 Repräsentant der Synagogengemeinde, seine Tochter aktives Mitglied des Linzer Turnvereins und Leiterin der Ortsgruppe Linz des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend. 1938 wurde die Familie Opfer des Novemberpogroms. Heinrich Bermann starb 1939 im jüdischen Krankenhaus Köln-Ehrenfeld an Misshandlungen.

Rosa Bermann war ab September 1941 in einem der beiden sogenannten „Judenhäusern“ Am Sändchen 19 vorinterniert. Ende Juli 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und dort am 5. September 1942 ermordet. Tochter Johanna gelang 1939 die Flucht nach Holland, wo sie jedoch nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen 1940 im Durchgangslager Westerbork interniert und 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Dort wurde Johanna Bermann am 11. August 1942 ermordet.

Alex, Wilhelmine und Hilde Fernich (Am Halborn 7)

Der Metzger Alex Fernich wurde in Klotten an der Mosel geboren. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Wilhelmine hatte er eine Tochter, die 1921 geborene Hilde. Unter den sich verschärfenden Repressionen auf die jüdische Bevölkerung zog die Familie 1937 nach Frankfurt am Main, wo Verwandte lebten.

Von dort wurde das Ehepaar Fernich 1941 nach Lodz (Litzmannstadt) deportiert, wo Alex Fernich am 31.7.1942 starb. Seine Frau wurde 1944 nach Chelmno (Kulmhof) verlegt und ermordet. Tochter Hilde, die bis zum Umzug der Familie die Höhere Töchterschule in Linz besucht hatte, flüchtete 1941 über Portugal in die USA, wo sie 2021 im Alter von 99 Jahren starb.

Henriette und Johanna Marx (Neustraße 41)

Von den zehn Kindern des 1924 verstorbenen Metzgers und Viehhändlers Jacob Marx und seiner Ehefrau Henriette lebte Ende der 1930er Jahre vermutlich nur noch die 1891 geborene Tochter Johanna im Elternhaus bei ihrer Mutter. Deren Wohnung wurde 1938 während des Novemberpogroms verwüstet. Henriette Marx wurde 1941 im „Judenhaus“ ihres Sohnes Josef Marx Am Sändchen 19 vorinterniert und im folgenden Jahr nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie am 20. August 1942 ermordet. Das Schicksal ihrer Tochter Johanna ist unbekannt.

Robert, Elise und Karola Marx (Neustraße 35)

Der Viehhändler Robert Marx war aktives Mitglied des Linzer Turnvereins und diente als Soldat im Ersten Weltkrieg. Von 1939-42 war er letzter Vorstand der Synagogengemeinde. 1938 wurde sein Gewerbeschein nicht erneuert, was den Verlust der Existenz der Familie bedeutete, die im selben Jahr auch unter den Ausschreitungen des Novemberpogroms litt.

Robert Marx leistete ab 1939 Zwangsarbeit auf Gut Rennenberg. Im September 1941 wurde er im „Judenhaus“ seines Bruders Josef Marx Am Sändchen 19 vorinterniert und am 30. März 1942 zusammen mit seiner Ehefrau Elise in das besetzte Polen deportiert, wo beide ermordet wurden. Einer ihrer beiden Töchter, Karola Marx, emigrierte 1940 in die USA. Die zweite Tochter Frieda war bereits 1929 nach Köln verzogen.

Dina Wallach (Auf dem Berg 4)

Dina Wallach, Tochter des Pferdehändlers Nathan Wallach, lebte als Rentnerin in ihrem Elternhaus. 1938 verwüstete während des Novemberpogroms der nationalsozialistische Mob die Wohnung der 74-jährigen, alleinstehenden Frau. Im September 1941 wurde ihr Haus zu einem der beiden sogenannten „Judenhäuser“, in denen man auf Anordnung der Gestapo die verbliebenen 19 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Linz (drei Personen lebten noch in Leubsdorf) zusammenpferchte und vorinternierte. Dina Wallach wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 23. September 1942 ermordet.